Das Rotauge – anpassungsfähiger Schwarmfisch unserer Binnengewässer
Das Rotauge (Rutilus rutilus) ist ein weitverbreiteter Fisch aus der Ordnung der Karpfenartigen. Es wird regional auch Plötze genannt und gehört in Deutschland zu den typischen Bewohnern von Seen, Kanälen, Flüssen und langsam durchströmten Altarmen. Als anpassungsfähiger Allesfresser nutzt es Nahrung vom Gewässergrund, aus der freien Wassersäule und von der Oberfläche.
Für Angler ist das Rotauge weit mehr als ein kleiner Köderfisch. Große, erfahrene Exemplare reagieren empfindlich auf grobe Montagen, unnatürlich angebotene Köder und übermäßiges Anfüttern. Wer Standort, Wassertiefe und Nahrungsschicht richtig einschätzt, kann es jedoch fast während des gesamten Jahres gezielt befischen.
Wie sieht das Rotauge aus? Merkmale und Bestimmung
- Familie: Leuciscidae, die Weißfische innerhalb der Ordnung der Karpfenartigen
- Wissenschaftlicher Name: Rutilus rutilus
- Verbreitung: weite Teile Europas sowie Teile West- und Nordasiens; in Deutschland flächendeckend verbreitet
- Körpergröße: meist 15 bis 30 Zentimeter, große Exemplare über 35 Zentimeter
- Gewicht: überwiegend deutlich unter 500 Gramm, Ausnahmefische können mehr als ein Kilogramm erreichen
- Alter: häufig etwa 5 bis 10 Jahre, dokumentiert sind bis zu 14 Jahre
- Körperform: seitlich abgeflacht, mäßig hochrückig und spindelförmig
- Lebensraum: stehende und langsam bis mäßig fließende Süßgewässer sowie schwach salzhaltige Küstengewässer
- Gefährdungsstatus: in Deutschland ungefährdet, international „Least Concern“
Das Rotauge besitzt einen seitlich abgeflachten Körper, dessen größte Höhe ungefähr ein Viertel bis ein Drittel der Körperlänge erreicht. Junge Fische wirken meist schlanker und heller. Mit zunehmendem Alter können besonders gut genährte Tiere deutlich hochrückiger werden. Rücken- und Bauchlinie sind gleichmäßig gebogen, wobei die Rückenpartie gewöhnlich etwas kräftiger ausgeprägt ist.
Der Kopf ist im Verhältnis zum Körper klein. Die Schnauze läuft leicht spitz zu, das endständige Maul ist klein und reicht nicht bis unter das Auge. Barteln fehlen. In den Kiefern befinden sich keine sichtbaren Zähne; die Nahrung wird mit Schlundzähnen im hinteren Bereich der Mundhöhle verarbeitet. Damit kann das Rotauge neben weichen Pflanzenteilen und Insektenlarven auch kleinere Schnecken und Muscheln zerkleinern.
Besonders auffällig ist die Iris. Sie ist bei Jungfischen häufig gelblich bis orange und färbt sich bei älteren Exemplaren zunehmend orange- bis tiefrot. Der deutsche Name Rotauge bezieht sich auf dieses charakteristische Merkmal.
Die einzelne Rückenflosse besitzt eine kurze Basis und beginnt ungefähr senkrecht über dem Ansatz der Bauchflossen. Die ebenfalls kurze Afterflosse steht relativ weit hinten. Brust-, Bauch- und Afterflossen sind je nach Alter, Jahreszeit, Gewässer und individuellem Zustand gelblich orange bis kräftig rot gefärbt. Rücken- und Schwanzflosse erscheinen dagegen meist grau, olivgrau oder leicht bräunlich. Die Schwanzflosse ist deutlich gegabelt und sitzt an einem vergleichsweise schlanken Schwanzstiel.
Die großen Rundschuppen liegen regelmäßig und reflektieren das Licht silbrig. Der Rücken ist graugrün, blaugrün oder olivbraun, während die Flanken silbern und der Bauch weißlich erscheinen. Eine ausgeprägte dunkle Längsbinde fehlt. Die vollständig ausgebildete Seitenlinie verläuft leicht nach unten gebogen über gewöhnlich 41 bis 44 Schuppen bis zum Schwanzstiel.
Während der Laichzeit entwickeln geschlechtsreife Männchen einen feinen, rau fühlbaren Laichausschlag auf Kopf und Körper. Laichreife Weibchen wirken durch die gefüllten Eierstöcke breiter und besitzen eine deutlich gerundete Bauchpartie. Außerhalb der Fortpflanzungszeit lassen sich die Geschlechter äußerlich nur schwer sicher unterscheiden.
Am häufigsten wird das Rotauge mit der Rotfeder verwechselt. Die Rotfeder besitzt ein klar oberständiges, nach oben gerichtetes Maul, wirkt häufig goldener und trägt meist kräftiger rote Flossen. Außerdem beginnt ihre Rückenflosse deutlich hinter dem Ansatz der Bauchflossen. Beim Rotauge stehen beide Flossenansätze ungefähr übereinander. Die Güster unterscheidet sich durch ihre längere Afterflosse, größere Augen und überwiegend grauen Flossen. Hasel und Aland sind in der Regel langgestreckter und zeigen nicht die typische Kombination aus roter Iris, endständigem Maul und rötlichen paarigen Flossen.
Rotaugen können sich mit Rotfedern und Brassen kreuzen. Solche Hybriden besitzen gemischte Merkmale und sind allein anhand eines einzelnen Kennzeichens nicht immer sicher bestimmbar. Bei ungewöhnlich gefärbten oder unproportional wirkenden Fischen müssen deshalb Körperform, Maulstellung, Flossenposition und Schuppenmerkmale gemeinsam beurteilt werden.
Lebensraum und Verbreitung des Rotauges
Das Rotauge ist in erster Linie ein Süßwasserfisch. Es verträgt jedoch schwach salzhaltiges Brackwasser und kommt deshalb auch in Flussmündungen, Küstenlagunen, Haffen und geschützten Boddenbereichen der Ostsee vor. Ein echter Meeresfisch ist es nicht. Besonders die erfolgreiche Fortpflanzung ist auf vergleichsweise salzarme Bereiche angewiesen. Untersuchungen aus der nördlichen Ostsee zeigen, dass eine geringe Frühjahrssalinität von weniger als ungefähr vier Promille für geeignete Laichgebiete eine wichtige Rolle spielt (Härmä, Lappalainen und Urho, 2008).
Das natürliche Verbreitungsgebiet reicht über große Teile Europas bis in westliche und nördliche Regionen Asiens. In Deutschland ist die Art weit verbreitet. Sie besiedelt natürliche Seen, Stauseen, Baggerseen, Teiche, Kanäle, Altarme sowie große und mittelgroße Flüsse. Schnell strömende Gewässerabschnitte werden vor allem dann genutzt, wenn strömungsberuhigte Buchten, Kehrwasser, Häfen oder tiefe Wintereinstände vorhanden sind.
Besonders hohe Bestandsdichten erreicht das Rotauge häufig in nährstoffreichen Gewässern. Es ist jedoch nicht vollständig an trübes oder eutrophes Wasser gebunden und kommt ebenso in klaren Seen vor. Dort stehen die Schwärme oftmals an Krautkanten, über Plateaus, entlang steiler Uferabfälle oder im Freiwasser. In Fließgewässern nutzt die Art Buhnenfelder, Innenkurven, Einmündungen, Hafenbecken und die Grenze zwischen Hauptströmung und ruhigem Wasser.
Die bevorzugte Tiefe verändert sich im Jahresverlauf. Im Frühjahr ziehen die Fische in flache, schnell erwärmte und als Laichplatz geeignete Bereiche. Im Sommer verteilen sie sich entsprechend der Wassertemperatur, Sauerstoffversorgung und Nahrung. Im Herbst sammeln sie sich zunehmend an tieferen Kanten und Rinnen. Während des Winters bilden sich häufig größere Schwärme in tiefen, strömungsarmen Zonen.
Entscheidend ist weniger eine bestimmte Wassertiefe als die räumliche Nähe von Nahrung, Deckung und günstigen Umweltbedingungen. Übergänge von Kraut zu Freiwasser, von hartem zu weichem Grund oder von einem flachen Plateau zu einer Rinne sind deshalb besonders typische Standplätze.
Was frisst das Rotauge? Nahrung und Verhalten
Das Rotauge ist ein opportunistischer Allesfresser. Jungfische ernähren sich überwiegend von Zooplankton, kleinen Krebstieren und Insektenlarven. Mit zunehmender Körper- und Maulgröße erweitert sich das Nahrungsspektrum um Würmer, Schnecken, kleine Muscheln, größere Insektenlarven, Aufwuchs, Algen, weiche Wasserpflanzen, Samen und organischen Detritus.
Die genaue Zusammensetzung hängt stark vom Gewässer und vom saisonalen Angebot ab. Untersuchungen des Magen- und Darminhalts zeigen, dass Zooplankton und Bodentiere bei jungen Rotaugen eine wichtige Rolle spielen, während pflanzliche Bestandteile, Aufwuchs und Detritus in bestimmten Gewässern einen erheblichen Anteil erreichen können. Eine starre Einteilung als reiner Pflanzen- oder Tierfresser wäre deshalb falsch.
Rotaugen nehmen Nahrung in mehreren Wasserschichten auf. Sie suchen am Grund nach Zuckmückenlarven, Würmern und kleinen Mollusken, sammeln frei treibende Organismen in der Wassersäule und fressen Insekten oder Samen von der Oberfläche. Bei einem starken Schlupf von Wasserinsekten kann sich ein zuvor grundnah stehender Schwarm innerhalb kurzer Zeit nach oben verlagern. Ebenso ziehen Futtereinträge die Fische schnell an und können sie auf engem Raum konzentrieren.
Die Nahrungsaufnahme erfolgt häufig in wiederkehrenden Aktivitätsphasen. Morgen- und Abenddämmerung sind besonders im warmen Halbjahr produktiv. Bei hohen Wassertemperaturen verlagert sich die intensive Nahrungssuche häufig in die kühleren Nacht- und frühen Morgenstunden. Im Winter können dagegen die vergleichsweise warmen Mittags- und Nachmittagsstunden die beste Fangzeit bilden. Diese Muster sind keine festen Regeln, weil Bewölkung, Wind, Strömung, Sauerstoff und das tatsächlich verfügbare Futter die Aktivität mitbestimmen.
Wie groß wird das Rotauge? Größe, Gewicht und Alter
Rotaugen werden meistens 15 bis 30 Zentimeter lang. Fische zwischen 30 und 35 Zentimetern gelten bereits als groß, Exemplare über 40 Zentimeter sind seltene Ausnahmefische. Die in wissenschaftlichen Datenbanken zusammengetragenen Höchstwerte liegen bei 50,2 Zentimetern Gesamtlänge, 1,84 Kilogramm Gewicht und 14 Jahren Lebensalter. Diese Werte beschreiben keine normalen Durchschnittsfische.
Das Gewicht lässt sich nicht allein aus der Länge ableiten. Ein hochrückiges, gut genährtes Exemplar aus einem produktiven See kann bei gleicher Länge erheblich schwerer sein als ein schlankes Rotauge aus einem Fließgewässer. Auch Jahreszeit und Fortpflanzungszustand beeinflussen das Gewicht. Besonders laichreife Weibchen sind im Frühjahr deutlich schwerer als nach dem Ablaichen.
Das Wachstum hängt von Wassertemperatur, Länge der Vegetationsperiode, Nahrungsangebot und Bestandsdichte ab. In Gewässern mit sehr vielen Rotaugen entsteht häufig starke Konkurrenz innerhalb der Art. Die Fische bleiben dann trotz ausreichender Lebenserwartung klein. In anderen Gewässern ermöglichen Muscheln, große Insektenlarven und ein günstiges Temperaturregime ein wesentlich schnelleres Wachstum.
Weibchen können in einzelnen Populationen eine größere Endlänge erreichen als Männchen. Der Unterschied ist jedoch nicht in jedem Gewässer gleich ausgeprägt. Eine populationsbezogene Untersuchung aus dem Volvi-See zeigte sowohl ein stärkeres Längenwachstum der Weibchen als auch eine klare Abhängigkeit der Fortpflanzungsleistung von Größe, Gewicht und Alter (Kyritsi und Kokkinakis, 2020).
Wann laicht das Rotauge? Laichzeit, Fortpflanzung und Wachstum
Die Laichzeit des Rotauges liegt in Mitteleuropa gewöhnlich zwischen April und Juni. Der tatsächliche Beginn richtet sich stärker nach der Wassertemperatur als nach einem festen Datum. Häufig setzt das Laichen ein, wenn sich flache Gewässerbereiche auf ungefähr 10 bis 15 Grad Celsius erwärmt haben. In warmen Regionen kann die Fortpflanzung bereits im März beginnen, während sie in nördlichen oder kalten Gewässern deutlich später stattfindet.
Zur Fortpflanzung ziehen die Fische in großen Gruppen an flache Ufer, überflutete Wiesen, Pflanzenfelder, kiesige Abschnitte oder in geeignete Zuflüsse. Die Männchen treffen häufig etwas früher am Laichplatz ein. Während des eigentlichen Laichvorgangs werden Eier und Samen frei ins Wasser abgegeben. Ein dauerhaftes Laichrevier wird nicht verteidigt.
Die blassgelben, ungefähr einen bis anderthalb Millimeter großen Eier sind klebrig und haften an Wasserpflanzen, Wurzeln, Steinen oder Kies. Ein Weibchen kann abhängig von Körpergröße, Alter, Ernährungszustand und Population einige Tausend bis mehrere Zehntausend Eier produzieren. Große Weibchen besitzen grundsätzlich eine höhere absolute Eizahl, weshalb pauschale Angaben ohne Bezug zur Fischgröße wenig aussagekräftig sind.
Die Entwicklungsdauer der Eier wird von der Wassertemperatur bestimmt und beträgt meist ungefähr ein bis zwei Wochen. Nach dem Schlupf halten sich die Larven zunächst in geschützten, flachen Uferbereichen auf. Dort finden sie Wärme, Deckung und ausreichend Plankton. Mit zunehmender Größe wechseln die Jungfische zu größeren Wirbellosen und pflanzlicher Nahrung.
Männchen werden häufig etwas früher geschlechtsreif als Weibchen. Je nach Wachstum und Gewässer können erste Männchen bereits nach zwei Jahren laichfähig sein, während Weibchen meist zwei bis vier Jahre benötigen. Nach dem Laichen lösen sich die Ansammlungen auf und die Fische kehren in ihre sommerlichen Fraßgebiete zurück.
Bedeutung des Rotauges für Angler
Das Rotauge ist fast ganzjährig fangbar und kommt in vielen Gewässertypen in hohen Stückzahlen vor. Dadurch eignet es sich für Einsteiger, bietet in größeren Größen aber auch erfahrenen Friedfischanglern eine anspruchsvolle Zielfischerei. Kleine und mittlere Exemplare reagieren häufig schnell auf Futter. Große Rotaugen bewegen sich vorsichtiger, stehen nicht immer mitten im Schwarm und prüfen einen schlecht austarierten oder unnatürlich sinkenden Köder deutlich länger.
Für den Fangerfolg muss vor allem die richtige Nahrungsschicht gefunden werden. Rotaugen können an einem Tag unmittelbar über dem Grund und am nächsten im Mittelwasser fressen. An warmen Sommerabenden steigen sie häufig bis unter die Oberfläche. Im Winter stehen sie dagegen meist konzentriert und grundnah in tiefen Bereichen.
Durch seine weite Verbreitung ist das Rotauge außerdem ein wichtiger Beutefisch für Hecht, Zander, Barsch und andere Räuber. In entsprechenden Gewässern können kleinere Exemplare als natürlicher Bestandteil des Beutespektrums Hinweise auf Standplätze der Raubfische liefern.
Welche Angelmethoden eignen sich für Rotaugen?
Das feine Posenangeln ist die vielseitigste Methode. In Ufernähe lassen sich Rotaugen mit einer Stipprute direkt unter der Rutenspitze befischen. Eine sauber austarierte Pose zeigt selbst vorsichtige Hebe- und Sinkbisse. Der Köder kann auf dem Grund, wenige Zentimeter darüber oder langsam durch die Wassersäule absinkend angeboten werden.
In größeren Seen und breiten Kanälen ermöglicht die Matchrute eine kontrollierte Präsentation auf größere Entfernung. Ein Waggler hält die Hauptbeschwerung von der Wasseroberfläche fern und erleichtert die Schnurkontrolle bei Wind. Entscheidend ist eine sensible Bebleiung, damit der Köder nicht unnatürlich schnell absinkt.
Wenn die Fische grundnah oder außerhalb der Posenreichweite stehen, ist leichtes Feedern sinnvoll. Kleine Futterkörbe, geringe Futtermengen und eine empfindliche Spitze reichen in den meisten Situationen aus. In stärkerer Strömung kann die Montage so abgestimmt werden, dass der Korb gerade noch liegen bleibt. Übermäßig schwere Geräte verschlechtern die Bisserkennung und sind für die übliche Größe des Rotauges nicht erforderlich.
Im Frühjahr und Sommer kann auch das oberflächennahe Angeln mit Brot erfolgreich sein. Diese Methode funktioniert besonders dann, wenn Fische sichtbar nach Insekten, Samen oder anderem Treibgut steigen. Der Köder sollte möglichst ohne lautes Einwerfen in die natürliche Drift gelangen.
Welche Köder funktionieren beim Rotaugenangeln?
Maden, Pinkies, kleine Wurmstücke, Mais, Brot, Teig, Hanf und kleine Pellets gehören zu den zuverlässigsten Rotaugenködern. Die passende Größe ist wichtiger als eine möglichst auffällige Präsentation. Einzelne Maden, fünf bis zwanzig Millimeter lange Wurmstücke, ein einzelnes Maiskorn oder kompakte Brot- und Teigstücke lassen sich mit dem kleinen Maul gut aufnehmen.
Im kalten Wasser sind einzelne Pinkies, kleine Maden oder sehr kurze Wurmstücke häufig wirkungsvoller als große Köder. Während des Sommers können Mais, Brot, Hanf und Pellets selektiver auf größere Fische wirken. Mini-Pellets 2–4 mm eignen sich in geringen Mengen als Futterpartikel, ohne den Schwarm zu schnell zu sättigen.
Mit einem Brotstanzer-Set fürs Posenangeln lassen sich gleichmäßige Brotstücke herstellen, die den Hakenbogen freilassen und kontrolliert sinken. Brot sollte fest genug sitzen, sich im Wasser aber allmählich öffnen. Wird es stark zusammengedrückt, entsteht ein harter Klumpen, den kleinere Rotaugen schlechter aufnehmen können.
Wenn ein Hakenköder besonders lange halten muss, kann Künstlicher Mais als Friedfischköder echten Mais ergänzen oder am Haar sichern. Als alleiniger Köder wird die Imitation von vorsichtigen Fischen jedoch häufig schlechter angenommen als natürlicher Mais. Künstliche Maden für Friedfische sind vor allem als haltbarer Stopper in Verbindung mit echten Maden sinnvoll. Naturköder bleiben in den meisten Situationen die verlässlichere Wahl.
In klarem Wasser sollten Köder, Vorfach und Beschwerung unauffällig ausfallen. In trübem Wasser können hellere Köder und eine etwas deutlichere Duftspur helfen. Süßlich-getreidige Aromen passen zu Brot, Mais und Teig, während natürliche Wurm-, Muschel- oder Krustentiergerüche das tierische Nahrungsspektrum aufgreifen.
Das Futter muss den Schwarm am Platz halten, darf ihn aber nicht sättigen. Feines Grundfutter, wenige Maden, etwas Hanf oder kleine Pellets reichen häufig aus. Bleiben die Bisse aus, ist nicht automatisch mehr Futter erforderlich. Oft stehen die Fische lediglich in einer anderen Tiefe oder einige Meter neben dem Futterplatz.
Geräteempfehlung für das gezielte Rotaugenangeln
Für stille Buchten, Kanäle und langsam fließende Bereiche bietet ein Stippposen-Set 0,5–2 g ausreichend feine Abstufungen. Die Pose sollte nur so viel Tragkraft besitzen, wie Wurfweite, Wind und Strömung tatsächlich verlangen. Je weniger Widerstand der Fisch beim Biss spürt, desto zuverlässiger lässt sich ein vorsichtiges Anheben oder seitliches Wegziehen erkennen.
Für weiter entfernte Futterplätze eignet sich eine Matchrute 3,90 m bis 25 g. Dazu passt eine Spinnrolle Größe 2500 für Matchruten, sofern Bremse und Schnurverlegung auch mit dünner Monofilschnur sauber arbeiten. Die Rute muss nicht extrem weich sein, sollte leichte Montagen aber kontrolliert werfen und Fluchten größerer Fische sicher abfedern.
Die Kombination Monofile Hauptschnur 0,16 mm und Monofiles Vorfach 0,12 mm ist für viele freie und hindernisarme Gewässer ein brauchbarer Ausgangspunkt. In dichtem Kraut, an Muschelbänken oder bei regelmäßig zu erwartenden großen Beifängen muss stärker gefischt werden. Friedfischhaken Größe 14–18 passen zu einzelnen Maden, kleinen Wurmstücken, Brot, Mais und kompakten Pellets. Entscheidend ist, dass die Hakenspitze frei bleibt und der Köder ohne übermäßigen Widerstand eingesaugt werden kann.
Beim Feedern genügt eine leichte Rute mit sensibler Spitze. Der Futterkorb sollte so klein wie möglich gewählt werden und das erforderliche Gewicht nur knapp überschreiten. Ein feinmaschiger Kescher erleichtert die sichere Landung großer Rotaugen an dünnen Vorfächern.
Hotspots und Fangstrategie für Rotaugen
In stehenden Gewässern sind Krautkanten, flache Plateaus, Uferabbrüche, Hafenbecken, Stege, Zuflüsse und der Übergang zwischen festem und weichem Grund typische Hotspots. Bei Wind kann die dem Wind zugewandte Seite Nahrung, Plankton und wärmeres Oberflächenwasser konzentrieren. Dieser Effekt ist besonders bei mäßigem, länger anhaltendem Wind relevant und weniger verlässlich nach einem plötzlichen Kälteeinbruch.
In Flüssen stehen Rotaugen bevorzugt dort, wo sie Nahrung erreichen, ohne dauerhaft gegen die volle Strömung schwimmen zu müssen. Strömungskanten, Kehrwasser, Buhneninnenseiten, Hafeneinfahrten, Innenkurven und tiefe Rinnen sind deshalb gute Ausgangspunkte. Im Winter gewinnen ruhige, tiefe Bereiche deutlich an Bedeutung.
Vor dem Anfüttern sollte die Tiefe ausgelotet werden. Eine Kante oder kleine Bodenvertiefung kann wichtiger sein als große Mengen Futter. Beginnt der Fang schnell, reichen regelmäßige kleine Portionen. Werden die Bisse langsamer und die gefangenen Fische kleiner, kann der Schwarm bereits gesättigt sein oder sich vom Zentrum des Futterplatzes entfernt haben.
Große Rotaugen halten sich häufig am Rand eines Schwarms, etwas tiefer oder in größerer Entfernung vom Ufer auf. Ein größerer Einzelköder kann kleine Fische reduzieren, garantiert aber keine Selektion. Häufig ist es wirkungsvoller, die Montage unauffälliger zu gestalten und den Köder knapp außerhalb des intensiv befischten Futterzentrums anzubieten.
Im Frühjahr sind flache, geschützte und schnell erwärmte Bereiche interessant. Im Sommer bringen frühe Morgenstunden, Abenddämmerung und Nacht häufig die besten Phasen. Im Herbst lohnt sich die Suche an Übergängen zu tieferem Wasser. Im Winter müssen die konzentrierten Schwärme zunächst gefunden werden; liegt der Köder wenige Meter außerhalb ihres Standplatzes, bleibt er trotz grundsätzlich vorhandener Fische oft unberührt.
Rotauge als Speisefisch – Geschmack, Fleisch und Besonderheiten
Das Rotauge ist essbar und besitzt helles, mild schmeckendes Fleisch. Seine geringe kulinarische Bekanntheit liegt nicht an einer schlechten Fleischqualität, sondern vor allem an den zahlreichen feinen Zwischenmuskelgräten. Besonders kleine Exemplare sind deshalb vergleichsweise aufwendig zu verarbeiten.
Größere Rotaugen lassen sich filetieren und durch enges Einschneiden der Filets grätenärmer zubereiten. Traditionell werden sie außerdem gebraten, geräuchert, sauer eingelegt oder zu einer fein zerkleinerten Fischmasse verarbeitet. Dabei werden die störenden Gräten entweder weich oder mechanisch so weit zerkleinert, dass sie beim Essen kaum noch auffallen.
Geschmack und Fleischbeschaffenheit werden durch Jahreszeit, Ernährung, Frische und Gewässer beeinflusst. Fische aus sehr warmen, nährstoffreichen Gewässern können zeitweise erdige oder modrige Aromen annehmen. Dies ist keine feste Eigenschaft der Art, sondern hängt vor allem mit Stoffwechselprodukten bestimmter Mikroorganismen im Gewässer zusammen.
Naturschutz und ökologische Rolle des Rotauges
Das Rotauge nimmt eine zentrale Position im Nahrungsnetz vieler Binnengewässer ein. Es frisst Zooplankton, Bodentiere, Pflanzenmaterial und Detritus und wird seinerseits von Hecht, Zander, Barsch, Wels, fischfressenden Vögeln und größeren Artgenossen erbeutet. Eier, Larven und Jungfische stellen eine wichtige Nahrungsquelle für zahlreiche weitere Gewässerbewohner dar.
Bei hoher Bestandsdichte kann die Art die Zusammensetzung des Zooplanktons und der wirbellosen Bodengemeinschaft beeinflussen. Ein starker Fraßdruck auf größere Wasserflöhe kann indirekt die Entwicklung des Phytoplanktons begünstigen. Die Stärke solcher Effekte hängt jedoch vom gesamten Fischbestand, vom Nährstoffgehalt, von den Raubfischen und von der Gewässerstruktur ab. Sie darf nicht allein dem Rotauge zugeschrieben werden.
Die deutsche Rote Liste führt Rutilus rutilus als ungefährdet und sehr häufig. Der langfristige Bestandstrend wird als konstant bewertet, während kurzfristig ein Rückgang unbekannten Ausmaßes festgestellt wurde (Rote-Liste-Zentrum). Auch international wird die Art als „Least Concern“ eingestuft.
Die allgemeine Häufigkeit bedeutet nicht, dass jeder lokale Bestand stabil ist. Sauerstoffmangel, Gewässerverschmutzung, fehlende Flachwasserzonen, unterbrochene Wanderwege und der Verlust von Pflanzenbeständen können Fortpflanzung und Jungfischaufkommen beeinträchtigen. Strukturreiche Ufer, erreichbare Laichplätze und unterschiedliche Tiefenzonen fördern deshalb nicht nur das Rotauge, sondern die gesamte Fischgemeinschaft eines Gewässers.